RÄUCHERN

Ob das Orakel von Delphi, die Friedenspfeife bei den Indianern Nordamerikas oder die Papstwahl in Rom oder Reinigung von "Haus und Hof" in unserer Kultur – Rauch war zu allen Zeiten mehr als nur das bloße Produkt eines Verbrennungsprozesses. Menschen der unterschiedlichsten Kulturen sind seit Urzeiten vom Einfluss des Rauches auf den menschlichen Körper, den Geist, die Seele und das Bewusstsein überzeugt.

Feuer zu machen ist eine der ältesten „Erfindungen“ des Menschen. Schon unsere Ahnen haben mit Sicherheit duftendes Holz ins Feuer geworfen, wobei dieser Duft die Stimmung der Menschen zu beeinflussen vermochte. In allen antiken Zivilisationen können wir diese Erkenntnis schon eingebunden in rituell-religiöse Zeremonien beobachten.

Probleme „in Rauch auflösen“ und Kontakt „zu oben“

D
en Göttern, die man sich im Himmel lebend vorstellte, opfert(e) man edelste Räucherwerke. Aus den großen Räucherbecken steigen langsam dicke Rauchschwaden zum Himmel empor, bis sie schließlich die Schwelle der sichtbaren Welt überschreiten, um im Jenseits um Gnade und Wohlwollen für unsere Welt zu bitten.

Das Räuchern erfüllt in den verschiedenen Kulturen unterschiedliche Funktionen. Die einen versuchen, mit dem Rauch energetische Reinigung zu erlangen, die anderen möchten dadurch eine Verbindung mit höheren Wesen, mit Gott, und mit der Natur herstellen. Allen Rauchritualen gemeinsam ist jedoch – neben ihrem Einsatz als Therapeutikum und als Mittel zur Steigerung des Wohlbefindens – ihr mystischer und ihr transzendentaler Gehalt.
Zur Unterstützung der praktischen Glaubenserlebnisse und subjektiven Erfahrungen wurde und wird vielfach in religiösen Riten das Verbrennen von speziellen Kräutermischungen,Hölzern oder Harzen, Samen und Gewürzen eingesetzt.

Kontakt mit der göttlichen Welt aufnehmen ist das Ziel, das durch unterschiedliche Rituale in Erfüllung gehen soll. Dazu gehört neben der Musik, den Klängen und der Meditation auch immer die Räucherei.

Während das Feuer bei fast allen Opferriten immer ein Symbol der Reinigung war, steht der Rauch für die Vergänglichkeit des materiellen Lebens. Die Grenzen zwischen Sein und Nichtsein, zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt verschwimmen durch die aufsteigenden Räucherschwaden. Schon beim Betrachten dieses Schauspiels fühlen wir uns leichter. Verwirrte Gedanken und Gefühle klären sich und wir finden zu einer „inspirierenden Stille“, die das Fundament all unserer Taten ist. In allen Religionen ist die andächtige, achtsame Stille, die sich mühelos einstellt, wenn das Rad der Wünsche zur Ruhe gekommen ist, das Tor zur Erkenntnis.
Diese erfurchtsgebietende Stille vermag „Berge zu versetzen“ und Wunder zu bewirken.
Wir finden im Räuchern einen Helfer zur Kontaktaufnahme zwischen den Welten.



Beispiel der Anwendung von Kräuter:

Der Beifuss (Artemisia vulgaris) ist beispielsweise eine traditionelle Pflanze  zum Orakeln. Mit ihm räuchert man noch heute in den
zwölf Rauhnächten Haus und Stall. Mit Beifussräucherungen kann man Altes loslassen und Platz fĂĽr Neues schaffen. Als Sonnenpflanze hellt er die Seele auf, beruhigt und  entspannt. Er fördert unsere Träume und die Intuition und lässt uns mit unserer Spiritualität in Verbindung kommen. Zusätzlich ist er auch eine Schutzpflanze, mit der man sehr gut die Räume reinigen und desinfizieren kann.


Räucherrituale
Über die Techniken des Rituals mit Räucherwerken zu schreiben ist schwierig und gefährlich zugleich, da feste Regeln den Geist, der durch die Räucherung befreit oder transformiert werden sollte, wieder an Begriffe und Formen binden würde.
Daher möchten wir euch zu diesem Thema ganz speziell unsere Workshops zu 
„Räucherritualen“ ganz besonders ans Herz legen, in dem wir in erster Linie die Geisteshaltung und Geistwirkung in Form von praktischen Ritualen zu den verschiedensten (Jahres-)Themen mit euch gestalten möchten.